Das ist Klaus:         

 

Klaus musikalisches Interesse wurde durch ein eher tragisches Ereignis, der Ermordung John Lennons Ende 1980, geweckt. Bis zu diesem Zeitpunkt war Musik für ihn eher nebensächlich, dann jedoch wurde sämtliches Taschengeld in den Erwerb von allen möglichen Beatles-Alben gesteckt. Nun fristete man damals, zu Zeiten von AC/DC-Hardrock und Judas Priest-Metal, mit diesem Musikgeschmack eher ein Außenseiterdasein, daher war es für Klaus um so erfreulicher, in Freddi, einem Klassenkameraden und ebenfalls überzeugtem Beatles-Fan, einen Gleichgesinnten zu finden.

Nach unzähligem Anhören diverser Beatles-Musik und der Feststellung, dass es in den 60er Jahren durchaus noch andere richtig gute Bands neben den Beatles, wie z.B. The Who, den Small Faces oder Cream gegeben hat, kamen Freddi und Klaus auf die Idee, dass es doch gar nicht so schwer sein dürfte, selbst entsprechende Musik zu machen.

Freddi bekam von seinen Eltern eine Höfner-Akustikgitarre geschenkt. Klaus übernahm von seinem Bruder eine uralte, aus den 60er Jahren stammende Akustikgitarre (mit elend dicken Saiten und F-Löchern im Korpus...), auf deren Kopfplatte das Signum „Framus“ prangte. Ohne Plan und Konzept machte man sich nun daran, die Geheimnisse einer Gitarre zu entdecken. Nach etlichen Versuchen fanden Klaus und Freddi heraus, dass man eine Gitarre auch stimmen kann. Mit der Unterstützung durch Freddis Vater, der in seiner Jugend diverse Instrumente in einer Band gespielt hatte, wurde das Stimmungsproblem behoben und da nun Freddis Vater schon mal dabei war, zeigte er den beiden auch gleich, wie man Akkorde auf der Gitarre zu greifen hat und wie diese angeschlagen werden. Das nächste Aha-Erlebnis hatte Klaus dann, als er das erste Mal einen sauberen Wechsel von einem offenen zu einem Barréakkord geschafft hatte.

Nach einigen Monaten des Übens stellte Freddi für sich fest, dass er als eingefleischter Paul McCartney-Fan lieber Bass spielen wollte - außerdem musste man da keine  Akkorde spielen. Schnell überzeugte Freddi also seinen Vater, dass seine  musikalische Zukunft im Bass-Spiel liegen würde und dass dies nur und ausschließlich mit einem Violin-Bass, dem berühmten Höfner Beatles-Bass und einer entsprechenden Bassanlage funktionieren würde. Nach dem Kauf des Instrumentes und der Anlage fühlte sich Klaus bei den Übungsnachmittagen lautstärkentechnisch entschieden im Nachteil, so dass er kurzerhand in einem Second-Hand-Laden für Möbel (!) eine gebrauchte E-Gitarre in Gibson-SG-Form samt Kabel für 80 Mark erstand. Dem Hersteller dieser Gitarre war es wohl nicht einmal wert, ein Logo auf der Kopfplatte anzubringen, so dass Klaus heute noch rätselt, woher und aus welcher Herstellung wohl dieses Instrument stammte - böse Zungen behaupten noch heute, dass die Gitarre vom selben Schreiner gefertigt worden war, welcher auch die Möbel in diesem Laden gebaut hatte. Als Verstärker diente Klaus erst mal ein alter Universum Radio-Kassettenrecorder, der bei gedrückter Record-Taste das Gitarrensignal reproduzierte - nicht schön, aber dafür laut.

So aufgerüstet und inzwischen auch in der Lage, einigermaßen erkennbare Musik zu produzieren, beschloss man nun, eine Band zu gründen. Aus dem Umfeld fanden sich dann auch sehr schnell Leute, welche die fehlenden Instrumente „beherrschten“. Ein weiterer Schulfreund, Holger, der ein komplettes Drum-Set sein Eigen nannte, wurde schnell zum Drummer gemacht. Holger wiederum konnte aus seinem umfangreichen Freundeskreis einen zweiten Gitarristen, der sogar einen richtigen Verstärker und einen Flying-V-Nachbau von Aria hatte, sowie einen gar nicht mal so schlechten Sänger für die Idee einer Band gewinnen.

Als erstes stand natürlich nicht die Frage im Raum, was die Band denn überhaupt spielen sollte, sondern wie die Band heißen soll. Schnell kramte man seine Englischkenntnisse aus und kam zu dem Schluss, dass „Gherkins Five“ (übersetzt sowas wie „Fünf Gurken“ oder eigentlich „Gurken Fünf“) ein wunderbarer, geheimnisvoller (wer weiß schon, was Gherkins auf deutsch bedeutet...) und leicht zu merkender, ja gar einprägsamer Bandname ist. Man schrieb das Jahr 1983 und die Zukunft des Rock war geboren - zumindest nach unserer Meinung.

Ein Übungsraum war auch schnell gefunden und man machte sich daran, das erste Programm zu üben. Ein bunter Mischmasch aus allen möglichen und unmöglichen Musikrichtungen entstand - Coverversionen von Lynyrd Skynyrd (Sweet Home Alabama und Freebird - eh klar), Deep Purple (Smoke on the Water) oder den Rolling Stones (Jumpin´ Jack Flash) und Rock´n´Roll-Klassiker wie Blue Suede Shoes und Johnny B. Goode (die sind leicht zu spielen) prägten das Programm, und auch ein paar eigene Songs, geschrieben von Klaus und Freddi („was Lennon und McCartney können, können wir auch”), kamen dazu.  

Klaus Oechsler 1984

Unbekümmert und von Selbstzweifeln unbelastet wurden mit diesem Programm und in dieser Besetzung einige Auftritte absolviert - noch zu erwähnen sei, dass sich Klaus noch schnell von seinem Ersparten einen Gitarren-Verstärker der Marke Peavey geleistet hatte - sonst hört man ja nix auf der Bühne.

Im kommenden Jahr änderte sich relativ oft die Besetzung, Gitarristen gingen und kamen, verschiedene Sänger wurden verschlissen, Schlagzeuger gaben sich die Übungsraumtürklinke in die Hand, das Equipment wurde verbessert (Klaus leistete sich tatsächlich einen Vollröhren-Amp von Kitty Hawk - ein Traum, sowie eine halbakkustische „Artist“ von Ibanez), bis man schließlich Ende 1984 eine Formation mit einem  Frontmann, einem recht guten Drummer und einem Keyboarder (irgendwann im Laufe des Jahres wurde auf die zweite Gitarre verzichtet) gefunden hatte. Nun konzentrierte man sich darauf, ein neues Programm auf die Beine zu stellen, möglichst viele Auftritte zu spielen (was auch gelang, am Ende waren es in knapp zwei Jahren ca. 30 Stück) und bastelte auch weiter an eigenen Songs, dabei verzichtete man fürs Programm allerdings nicht auf die beliebten Coverversionen.

Das letzte Line-up von Gherkins Five, mit neuem Drummer und neuem Keyboarder, entschloss sich dann im Laufe des Jahres 1987, ein Programm nur aus eigenen Songs, noch dazu mit deutschen Texten, zu gestalten. Die Einsicht, dass die allseits vorhandenen, jedoch  rudimentären Englischkenntnisse nur zu suboptimalen Texten führen konnten, kam zwar spät, aber sie kam. Passend zu den neuen deutschen Texten wurde die Band auch umbenannt, statt den Fünf Gurken nannte man sich nun „Unmöglich“.

Kompositorisch und musikalisch wurde man nun auch anspruchsvoller, die Zeit der Drei-Akkorde-Songs war endgültig vorbei. Die Lieder wurden vielschichtiger und auch die Arrangements wurden komplexer. Leider war diesem ambitionierten Projekt dann keine allzu lange Lebensdauer beschieden. Nachdem man innerhalb eines guten Jahres ein Programm auf die Beine gestellt, dieses mittels abenteuerlicher Technik auf Tonband gespielt und auch noch einen ersten Auftritt absolviert hatte, trennten sich die Wege der Musiker Ende 1988.

Klaus war seit 1986 ab und zu als Aushilfsgitarrist bei der Band „Reinheitsgebot” eingesprungen. Georg Philipski, Gitarrist und Sänger dieser Gruppe und Klaus waren zu dieser Zeit schon länger befreundet und so wurde er nun nach dem Ende von „Unmöglich” fest als zweiter Gitarrist aufgenommen. Das Programm bestand ausschließlich aus Eigenkompositionen mit deutschen Texten, den Musikstil konnte man als zeitgemäßen Deutschen Rock-Pop bezeichnen. Dieses Projekt kam, trotz großer Ambitionen, wegen ständiger Umbesetzungen aber über den Status einer Übungsraumband nicht hinaus, sieht man von einem einzigen Auftritt 1988 ab (irgendwie kommt mir das bekannt vor).

Georg und Klaus hatten jedoch schon im Jahr 1986 die Band „Jim Brum“, später in „LaLe“ umbenannt, als Nebenbeschäftigung gegründet. In der klassischen „Bass-Schlagzeug-Zwei-Gitarren-Besetzung“ ließ man sich vom kraftvollen Bluesrock eines Rory Gallagher oder Gary Moore inspirieren. Gespielt wurden nur eigene Songs, die Texte waren inzwischen fränkisch. Schnell wurde diese Formation von der Neben- zur Hauptband, einige Songs wurden aufgenommen, ein Demo produziert und in den Jahren 1988 bis 1990 diverse Auftritte im Großraum Nürnberg und darüber hinaus absolviert. Leider war auch dieser Gruppe ein jähes Ende vorbestimmt - persönliche Querelen und Differenzen untereinander führten Ende 1990 zum Aus.

Genervt von dem sich anscheinend ständig wiederholenden Zyklus der  Bandauflösungen zog Klaus sich für die Jahre 1991 und 1992, abgesehen von ein paar Jamsessions mit befreundeten Musikern, weitgehend aus der aktiven Musikszene zurück. Die freie Zeit nutzend konzentrierte er sich intensiv auf die Weiterentwicklung seiner Spieltechnik, sowie auf die Vertiefung des theoretischen Hintergrundwissens im Bereich der Harmonielehre. Auch dem Umgang mit dem Bottle-Neck und den dazugehörigen Open Tunings widmete Klaus viel Zeit.

Ende 1992 fand Klaus dann in Micha Carl einen neuen musikalischen Partner. Die beiden waren schon seit langen Jahren befreundet, nun entschloss man sich, nach den beiderseits eher unglücklichen Erfahrungen der letzten Jahre, gemeinsam eine Band aufzubauen: gitarrenbetont, rockig, mit fränkischen Texten - die Railway Graddling Company halt.

Der weitere Werdegang von Klaus in den Jahren 1993 bis 2002 ist von der Bandchronik der Railway Graddling Company nicht zu trennen und dort nachzulesen.

2002 zog sich Klaus aus persönlichen Gründen komplett aus dem Musikgeschäft zurück. Er konzentrierte sich auf das Aufnehmen von einzelnen, selbstkomponierten Instrumentalsongs zu Hause und wiedermal zahlreichen Übungsstunden zum Erhalt und der Verbesserung seiner Spieltechnik. Lediglich in den Jahren 2008 und 2009 betrat Klaus wieder als Musiker mehrmals eine Bühne. Bei einem Feuershowprojekt seiner damaligen Freundin sorgte er mit der akustischen Gitarre und für diesen Zweck selbstkomponierten Instrumentals für die entsprechende Hintergrundmusik.

Nachdem sich Klaus und Micha nun wieder gefunden haben, soll es jetzt im Jahr 2012 auch mit der Railway Graddling Company endlich weitergehen.

 

Klaus Oechsler 2012

Klaus bei der Arbeit